Die Nabenputzer zurück in Glurns

Vom 2. bis 6. Juli 2026 waren wir nach acht Jahren wieder zu Besuch im Glurnserhof. Vier Tage Radfahren, jede Menge Höhenmeter, traumhafte Alpenpässe und gutes Südtiroler Essen standen auf dem Programm. Die diesjährige Touren der Nabenputzer rund um Glurns hatten wieder alles zu bieten, was das Herz von Rennradfahrern begehrt.

 

Tag 1: Warm-up um den Reschensee

Zum Auftakt stand traditionell die Runde um den Reschensee auf dem Programm. Doch das entspannte Einrollen begann gleich mit der ersten Herausforderung: Ein Anstieg mit bis zu 20 Prozent Steigung brachte die Beine schon früh auf Betriebstemperatur.
Angeführt von Ehrenkapitän Ossi meisterten alle die ersten Höhenmeter und konnten anschließend die herrliche Runde rund um den Reschensee genießen. Der Kirchturm im See, die umliegenden Berge und das tolle Wetter sorgten für beste Stimmung.
Der erste Tag endete selbstverständlich mit einer festen Tradition, dem „Dreckigen Bier“, das Uwe und Ossi an ihren Wohnmobilen servierten.

 

Tag 2: Martelltal, Zufritt-Stausee und Erdbeer-Kaiserschmarrn

Da die Wettervorhersage nicht optimal war, führte die zweite Tour ins „flache“ Martelltal. Das Ziel war der wunderschön gelegene Zufritt-Stausee, der in die beeindruckende Bergwelt des Nationalparks Stilfserjoch eingebettet ist.
Nach dem Erreichen des Stausees ging es wieder bergab Richtung Tal. Die wohlverdiente Pause wurde im Culturamartell eingelegt. Dort gab es eine echte Spezialität: Erdbeer-Kaiserschmarrn mit den berühmten Marteller Erdbeeren.
Das Martelltal ist schließlich als das höchstgelegene zusammenhängende Erdbeeranbaugebiet Europas bekannt. Entsprechend begeistert waren wir von einer süßen Belohnung: Erdbeerlikör.

Gut gestärkt ging es anschließend zu den Prader Fischteichen. Wieder einmal wurde über Alfreds Definition von „flachen” Anstiegen diskutiert und ein kühles Bier genossen.

 

Tag 3: Die Königsetappe zum Stilfser Joch

Am dritten Tag wartete der Höhepunkt der Tour. Mit dem Stilfser Joch stand einer der bekanntesten Alpenpässe überhaupt auf dem Programm. Passo dello Stelvio gilt als die „Königin der Alpenpässe“.
Die legendäre Auffahrt mit ihren 48 Kehren verlangte allen einiges ab. Kehre für Kehre schraubten sich die „Nabenputzer” den Berg hinauf. Jeder fuhr sein eigenes Tempo, aber das Ziel war für alle dasselbe: Oben anzukommen.
Und das gelang eindrucksvoll. Alle Teilnehmer erreichten das Stilfser Joch auf 2.757 Metern Höhe erfolgreich. Entsprechend groß waren die Freude, die Erleichterung und der Stolz auf die eigene Leistung.
Nach den obligatorischen Gipfelfotos ging es über den Umbrailpass wieder talwärts. Eine fantastische Abfahrt und der perfekte Abschluss der Königsetappe.

Am Abend gab es im Glurnserhof ein 4-Gänge-Menü mit Südtiroler Spezialitäten. Das war ein kulinarisches Highlight. Der perfekte Abschluss für diesen Tag!

Tag 4: Drei Länder Runde

Am letzten Tag stand noch einmal eine besondere Runde auf dem Programm. Vom Vinschgau führte die Strecke zunächst über den Ofenpass ins schweizerische Engadin.
Von dort ging es weiter über die Norbertshöhe nach Österreich, bevor die Gruppe schließlich über den Reschenpass wieder zurück nach Südtirol fuhr.
Eine abwechslungsreiche Tour mit tollen Ausblicken und ein würdiger Abschluss von vier großartigen Tagen auf dem Rad.

 

Fazit:

Nach vier Tagen standen rund 350 Kilometer und etwa 7.000 Höhenmeter auf dem Tacho.
Vor allem aber bleibt die Erkenntnis, dass alle Teilnehmer ihre persönlichen Ziele erreicht haben und die Touren unfallfrei genießen konnten. 

Wir waren uns einig: In drei Jahren sehen wir uns wieder am Stelvio. Dann feiern die Nabenputzer einige runde Geburtstage, und unsere erste Stelvio-Tour liegt auch schon 20 Jahre zurück. Eigentlich erschreckend – die Serpentinen haben sich in der Zeit kaum verändert, wir dagegen schon !!! 😉

Der Stelvio. Es war wieder einmal ein großartiges Erlebnis - von Michael Weise.

Vom 40-jährigen „Bürgermeister“ bis zum 65-jährigen Rentner, vom eher Bein- bis zum eher Bauchmuskeltrainierten, vom Feder- bis zum Schwergewicht: Unter uns Nabenputzern ist jede Gattung von Radfahrer bei Antritt unserer diesjährigen Reise vertreten. Und wo sollte es hingehen? Keine Frage: nach Südtirol, zum legendärsten Anstieg für Radsportler überhaupt, zum Olymp des Radsports, zum legendären Stilfser Joch (Stelvio). Der zweithöchste asphaltierte Pass Europas mit 24 km Länge, 48 Kehren, 1 850 Höhenmetern, einer durchschnittlichen Steigung von 7,5 % und einer maximalen Steigung von 14 % sollte uns (wieder einmal?) kennenlernen.

Damit er sich frühzeitig auf unser Kommen einstellen konnte, starteten unsere „Erstbesteiger“ um 9 Uhr, unsere Routiniers etwas später. Zunächst einmal ging es gemütlich vom Fuße des Stelvio, von Prad, über Gomagoi nach Trafoi. Nach rund der Hälfte der bis dahin noch wenig spektakulären Strecke zeigte der Stelvio wieder sein bestes Gesicht: strahlend blauer Himmel und prachtvolle, nach oben schlängelnde und nicht enden wollende Kehren! Der Traum eines jeden Radsportlers. Na ja, für den einen oder anderen vielleicht doch eher ein Alptraum. Aber egal: Jeder wollte hoch! Jeder musste hoch! Egal, wie!

Jeder Nabenputzer fuhr sein eigenes Tempo, so dass sich das Team schnell auseinanderzog. Schnell zeigte sich, wer zur Fraktion der Bein- oder der Bauchmuskeltrainierten gehörte. Aber egal. Jeder kämpfte: Mal mit sich selbst, mal mit der Sonne, mal mit den vielen Motorradfahrern und mal auch um sein leibliches Wohl. Denn natürlich wollte niemand verhungern oder verdursten. So mussten unzählige Energieriegel verschiedenster Geschmacksrichtungen ihr Leben lassen. Im Übrigen deuteten unsere Geschmacksnerven darauf hin, dass Wasser und Mineraldrinks durchaus eine wohlschmeckende Alternative zum Feierabendbier sein können.Und dann hatte er seinen Auftritt, den man bei solchen Ereignissen nicht vergessen darf: der männliche Ehrgeiz! Solange niemand vorbeifährt, ist alles in Ordnung – aber sich überholen lassen? Geht gar nicht! Und schon gar nicht vom anderen Geschlecht! Da kann der Puls schon mal in ungeahnte Höhen schießen.

Irgendwann und irgendwie hatte es auch der Letzte geschafft: Das Team „Nabenputzer“ war vollzählig auf dem Stelvio versammelt. Gut, diejenigen, die das „Touristenticket“ gebucht hatten – also die uneingeschränkten „Genießer“ – nutzten ihr uneingeschränktes Zeitkontingent vollkommen aus.

Damit war das Kapitel Stelvio aber längst noch nicht abgeschlossen. Für den einen oder anderen von uns stellte die steile und schnell zu fahrende Abfahrt – über den Umbrailpass – eine große Herausforderung dar. Und einer wäre lieber noch einmal die 48 Kehren hoch, als den Umbrail runter.

Aber irgendwie konnte auch dieses Kapitel erfolgreich abgeschlossen werden. Wir alle kamen vollzählig und unfallfrei unten am Fuße des Umbrail an.

Im Glurnserhof wurde dann erst einmal ausgiebig ein dreckiges Bierchen getrunken und natürlich ausgiebig über die Tour diskutiert.

Abschließend bestand Einigkeit: Es war wieder einmal ein großartiges Erlebnis und auch eine herausragende „teambildende“ Maßnahme. Gleich wurde beschlossen: Stelvio, wir kommen wieder – spätestens in drei Jahren. Denn dann gibt es zwei runde Geburtstage, einen 60. und einen 70., zu feiern.